Marktgemeinderat Babenhausen ringt um zentrale Entscheidungen

19.11.2025

Der Marktgemeinderat Babenhausen hat in seiner jüngsten Sitzung ein bemerkenswert breites Spektrum kommunaler Themen behandelt – von Bauleitplanung über Kurzzeitvermietungen, Windkraft und Verkehrssicherheit bis hin zur grundlegenden Frage, wo die künftig benötigte, als Maschinenhalle genutzte, Alten Reithalle von Klosterbeuren stehen soll. Viele Beschlüsse wurden einstimmig gefasst, doch gerade bei der Zehentstadel-Finanzierung und der Standortfrage der Reithalle traten deutliche politische Unterschiede hervor. Die Sitzung vermittelte ein Bild lebendiger kommunaler Auseinandersetzung, bei der viel gemeinsam entschieden wird, aber um zentrale Weichenstellungen intensiv gerungen wird.

Neues Baugebiet in Klosterbeuren: Einhellige Zustimmung

Der Gemeinderat stellte die Weichen für die Neuaufstellung der Einbeziehungssatzung in der Ziegeleistraße Klosterbeuren. Die Entscheidung fiel einstimmig aus.
Die Ratsmitglieder betonten durch ihre Zustimmung, dass Klosterbeuren dringend ein geordnetes Baugebiet benötigt, um Einzelfallverfahren zu vermeiden und Wohnraum planbar zu entwickeln.

Weitere Bauleitverfahren ohne Gegenstimmen

Sowohl der Bebauungsplan für die Entwicklung des Bereichs Mohrenhausen/Hirtenhausäcker als auch die Aufhebung des bestehenden Bebauungsplans in Bebenhausen-Süd erhielten einstimmige Zustimmung.
Alle Fraktionen unterstützten die Verwaltungslinie: Beide Verfahren gelten als städtebaulich folgerichtig und unstrittig.

Windkraft: Gemeinsamer Kurs trotz äußerer Einschränkungen

Beim Beteiligungsverfahren zur Fortschreibung des Regionalplans Donau-Iller stimmte der Gemeinderat ebenfalls einstimmig ab.

Zentrale Rahmenbedingungen wie die Höhenbegrenzung durch den Militärflugplatz Laupheim wurden zur Kenntnis genommen. Die möglichen Standorte – Breitenbrunn, Oberschönegg und Nattenhausen – wurden von keiner Fraktion infrage gestellt. Die Ratsmitglieder signalisierten damit Geschlossenheit beim Umgang mit regionalen Vorgaben.

Kurzzeitvermietung: Geschlossener Wille für eine klare Linie

Die beantragte Nutzungsänderung eines Zweifamilienhauses in mehrere Kurzzeitvermietungen wurde nach deutlicher Diskussion einstimmig abgelehnt.

Die Positionen im Überblick:

FW, CSU, JWU: betonten die Notwendigkeit einer klaren Linie, da Beschwerden aus der Nachbarschaft vorlagen und die Nutzung eher gewerblich als wohnbezogen wirkte.

FW: fragte nach, wie die Gemeinde bei einer Ablehnung die Auflösung der Nutzung prüfe.

Alle Fraktionen waren sich einig, dass die deutlichen Abweichungen zwischen Antrag und tatsächlicher Nutzung nicht hinnehmbar sind.
Mit der geschlossenen Ablehnung dokumentierte der Gemeinderat unmissverständlich, dass eine gewerbliche Nutzung unter dem Deckmantel von Wohnraum nicht akzeptiert wird.

Bauanträge: Drei einstimmige Entscheidungen

Drei weitere baurechtliche Anträge wurden ohne Gegenstimme befürwortet:

  • Neubau eines Wohnhauses im Außenbereich
  • Errichtung eines Carports in der Beethovenstraße
  • Bau einer Profilträgerbohlenhalle als Schüttgutlager in Klosterbeuren

Alle Fraktionen sahen die Projekte als planerisch stimmig.

Zehentstadel: Mehrheit für den Finanzierungsplan und Baudurchführung – deutliche Unterschiede in der Bewertung

Mit der Sanierung des Zehentstadels befasste sich der Gemeinderat ausführlich. Der aktualisierte Finanzierungsplan und die Baudurchführung wurde mehrheitlich angenommen; lediglich eine Fraktion stimmte dagegen.

So positionierten sich die Fraktionen:

Freie Wähler (FW): Sehen die Kostenentwicklung kritisch, fordern weiterhin finanzielle Beiträge der Familie Fugger, äußerten Bedenken wegen niedriger Zahl Parkplätze und der Parksituation. Stimmen gegen die Beschlussvorlage.

Grüne: Begrüßen die Städtebauförderung, mahnen jedoch sozial verträgliche Nutzungspreise an.

CSU: Bewertet die hohen Fördermittel positiv, sieht Sicherheit durch professionelle Projektsteuerung, befürwortet, dass die Nutzung gemeinsam mit Vereinen weiterentwickelt wird.

JWU: Fordert transparente und verlässliche Mietpreise für Vereine, äußerte Zweifel, ob die Vereine künftig ausreichend geschützt sind.

LEB: Verweist darauf, dass im Vorprojekt bereits Einnahmen und Ausgaben analysiert wurden, betont, dass Vereine gefördert werden müssen und nicht übermäßig belastet werden dürfen.

In Summe fand sich eine deutliche Mehrheit für das Projekt; die Debatte zeigte aber, dass die FW ihre bisherige Haltung nicht geändert haben.

Tempo 30 im Schulbereich: Einstimmige Zustimmung

Die Einführung einer Tempo-30-Zone im hochfrequentierten Abschnitt des Greimeltshofer Wegs erhielt einstimmige Unterstützung.

In der Debatte wurden zugleich weitere Anliegen eingebracht:

  • Prüfung zusätzlicher Bereiche, Kirchhaslacher Straße (JWU)
  • Vermeidung eines übermäßigen „Schilderwalds“ (FW)

Trotz Detailanmerkungen waren alle Fraktionen geschlossen der Ansicht, dass die Verkehrssicherheit im Schulumfeld Vorrang hat.

Versetzung Reithalle Klosterbeuren: Klares Votum gegen den alten Standort – deutliche Fraktionslinien

Eines der politisch umstrittenen Themen war die Standortfrage der als Maschinenhalle genutzten Alten Reithalle von Klosterbeuren.

Der bisherige Beschluss, die Halle beim Reitverein zu errichten, wurde mit klarer Mehrheit aufgehoben.

Nur 6 Stimmen der FW stimmten für die Beibehaltung des alten Standorts, eine Enthaltung wurde registriert.

Die Standpunkte im Überblick:

CSU: lehnt den Standort beim Reitverein ab, sieht den Wertstoffhof als geeigneteren, nachhaltigen Standort, betont die mögliche Nutzung der entstehenden Photovoltaikanlage der Gemeinde für die benachbarte Kläranlage.

JWU: spricht sich ebenfalls klar für den Wertstoffhof aus, bewertet den Standort Reitverein als unpassend.

Grüne: Halten den Standort beim Reitverein für falsch, sehen am Wertstoffhof die bessere Lösung, betonen die Möglichkeit eines schnellen Abrisses am alten Ort.

LEB: Sieht im Standort Reitverein die Gefahr einer Einschränkung des Vereins,     plädiert für den Standort bei der Kläranlage oder am Wertstoffhof.

FW: Halten am bisherigen Beschluss fest, verweisen auf frühere Entscheidungen und sehen den Reitverein als geeigneten Standort.

Mit deutlicher Mehrheit setzte sich die Position durch, die Halle künftig am Wertstoffhof zu planen. Der alte Beschluss wurde damit aufgehoben.