Informationsveranstaltung zum Hochwasserschutz in Babenhausen
am 29.11.2025
Am Samstag lud der parteilose Bürgermeisterkandidat Tobias Hiller zu einer Informationsveranstaltung rund um das Thema Hochwasserschutz in Babenhausen ein. Treffpunkt war am Fuggerweiher, anschließend wurde die Veranstaltung im KJR-Übernachtungsheim fortgesetzt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich aus erster Hand über die aktuelle Situation, geplante Maßnahmen und fachliche Hintergründe zu informieren.
Zu Beginn machte Hiller deutlich, dass es nicht um bereits beschlossene Maßnahmen gehe, sondern um fachliche Grundlagen und mögliche Lösungsansätze, die der Öffentlichkeit transparent vorgestellt werden sollten. Ihm sei wichtig, frühzeitig in den Dialog zu treten und die Bevölkerung in einen offenen Austausch einzubeziehen. Hochwasserschutz verlange nicht nur technische Lösungen, sondern auch gemeinsame Entscheidungen, da verschiedene Interessen betroffen seien und es keinen hundertprozentigen Schutz geben könne.
Rundgang am Fuggerweiher: Hochwasserschutz vor Ort erklärt
Der erste Teil der Veranstaltung führte entlang des historischen Damms am Fuggerweiher, der im Jahr 1890 errichtet wurde. Dort erläuterte Hiller die örtlichen Gegebenheiten und die hydrologischen Zusammenhänge. Besonders eingegangen wurde dabei auf die Rolle der Günz sowie auf die lokalen Zuflüsse, die bei Starkregen zu einer erheblichen Belastung der Gemeinde beitragen können:
Auerbach
Klosterbeurer Bach
Wiesenbach
Otterbach
Täuferbach
Hiller erklärte, wie Wasser aus diesen Zuflüssen ins Gemeindegebiet gelangt und an welchen Stellen sich potenzielle Schwachpunkte befinden. Dabei stellte er auch mögliche Ansatzpunkte für Hochwasserschutzmaßnahmen im Gelände vor. Die Teilnehmenden konnten Fragen stellen und eigene Beobachtungen aus vergangenen Hochwasserereignissen einbringen.
Hochwasserschutz an der Günz: Regionale Großprojekte im Überblick
Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte Hiller die laufenden und geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Günz (Gewässer 1. Ordnung) vor. Ein zentraler Bestandteil sind fünf Hochwasserrückhaltebecken, die sich derzeit in Planung oder Umsetzung befinden.
Diese sollen gemeinsam eine Rückhaltekapazität von rund 7,5 Millionen Kubikmetern Wasser erreichen und die Region künftig erheblich entlasten. Der zeitliche Rahmen für das Gesamtprojekt reicht von 2014 bis voraussichtlich 2030.
Weitere Eckdaten:
- Gesamtkosten: rund 75 Millionen Euro
- Förderanteil durch den Bund: ca. 60 %
- Finanzierungsanteil der beteiligten Kommunen: je nach Becken zwischen 14 und 19 %
- Bemessungsgrundlage: HQ100 zuzüglich 15 % Klimazuschlag
Das Hochwasserrückhaltebecken Sontheim befindet sich derzeit im Bau (Baubeginn: 26.08.2025), die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Im Anschluss soll das Rückhaltebecken Westerheim bis etwa 2029 realisiert werden.
Hiller erläuterte den Teilnehmenden ausführlich die Funktionsweise eines Hochwasserrückhaltebeckens. Diese Anlagen greifen ausschließlich im Ereignisfall ein. Eine dauerhafte Regulierung des Wasserstands finde nicht statt. Im Hochwasserfall könne es jedoch notwendig sein, bewusst landwirtschaftliche Flächen zu fluten, um größere Schäden in bebauten Bereichen zu vermeiden. Solche Eingriffe würden stets geprüft und abgewogen.
Offene Diskussion zum Hochwasser 2024
In der anschließenden Fragerunde wurde auch das Hochwasserereignis 2024 ausführlich thematisiert. Einige Teilnehmende äußerten die Vermutung, dass Rückhaltebecken zu früh geöffnet worden seien, was zu starken Schwankungen des Wasserstands geführt habe.
Hiller griff diese Fragen offen auf und verwies auf die aktuelle Einschätzung des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes. Demnach sei ein Dammbruch maßgeblich für den ungewöhnlichen Wasserverlauf verantwortlich gewesen und nicht eine gezielte Steuerung von Rückhaltebecken.
Hochwasserschutz an den Bächen 3. Ordnung
Ein weiterer Schwerpunkt war das umfassende Hochwasserschutzkonzept für die fünf örtlichen Bäche, das von der Kling Consulting GmbH aus Krumbach erarbeitet worden ist. Hiller stellte die einzelnen Maßnahmen vor und erläuterte sowohl Chancen als auch Grenzen der jeweiligen Ansätze.
Er machte deutlich, dass das Konzept als fachliche Grundlage für künftige Entscheidungen dient und noch keine baulichen Maßnahmen beschlossen sind. Besonders betonte er, dass Hochwasserschutz nicht an Gemeindegrenzen ende. Viele Maßnahmen wirkten über Gemarkungen hinweg, weshalb eine enge Abstimmung mit den Nachbarkommunen notwendig sei.
Blick in die Vergangenheit – Verantwortung für die Zukunft
Abschließend wurden historische Aufnahmen aus den Jahren 1912, 1926 und 1944 gezeigt, die frühere Hochwasserereignisse dokumentieren. Sie verdeutlichten, dass Hochwasser in Babenhausen kein neues Phänomen ist und auch Ereignisse mit geringeren Wiederkehrintervallen erhebliche Schäden verursachen können.
Tobias Hiller erklärte, dass Hochwasserschutz nach seinen Erfahrungen als Einsatzleiter beim Hochwasser 2024 für ihn eine besonders hohe Priorität besitzt. Er wolle das Thema strukturiert, fachlich fundiert und im Dialog mit Bürgerschaft, Fachstellen und Nachbarkommunen weiterverfolgen.
Die Veranstaltung vermittelte den Eindruck eines politischen Ansatzes, der auf frühzeitige Information, Transparenz und Beteiligung setzt. Viele Teilnehmende äußerten sich anschließend positiv über die sachliche und ausführliche Darstellung des komplexen Themas.
Bilder: Bastian Wriedt – BW Mediendesign


